Was genau versteht ihr unter FOOH und 3D-DOOH â und wie unterscheiden sich die beiden Formate in Konzept, Wirkung und Produktion?
FOOH ist ein 2023 entstandenes Kurzform-Videoformat. Man findet FOOHs vorwiegend auf Social Media. Das Format verbindet im öffentlichen Raum gefilmtes Videomaterial mit 3D-Elementen. Das Ziel? Aufmerksamkeit und Interaktion mit der Marke.
https://vimeo.com/1069201682
3D-DOOH hingegen basiert auf echten Screens â riesige LED-WĂ€nde an prominenten Orten. 3D-DOOH verbinden die Meisten mit anamorphischen âPop-out-Effekten“ – wo sich Elemente scheinbar aus dem Screen herausbewegen. Dieses GefĂŒhl der Tiefe und RĂ€umlichkeit wird durch den speziellen 3D Herstellungsprozess erzeugt.
https://vimeo.com/1097029721
Beide Format bedienen sich der Welt des 3D-Designs, der wesentliche Unterschied in der Produktion ist jedoch, dass bei 3D-DOOH rein virtuell gearbeitet wird und keine Videoproduktion benötigt wird. Wohingegen bei FOOH immer Videomaterial aufgenommen werden muss.
Dies wirkt sich natĂŒrlich auch entsprechend auf die Konzeption aus – grundsĂ€tzlich steht jedoch die gewĂŒnschte Message und die Brand immer im Mittelpunkt.
Wie lĂ€uft ein typisches Projekt bei euch ab â von der ersten Idee bis zur finalen Ausspielung?
Ein typisches FOOH lĂ€sst sich in 3 Phasen teilen. Konzeption, Produktion und Postproduktion. Ganz klassisch bekommen unsere Kunden zuerst Ideen in Form von Text, bildlich unterstĂŒtzt mit Mockups. Je nach Projekt finden sich noch individuelle Zusatzinfos wie z.B. Drehorte, Umsetzungshinweise oder andere Informationen aus unserer Recherche.
Danach kĂŒmmern wir uns um Genehmigungen, Casting von Schauspielern, Testdrehs, Besichtigungen, Equipment und natĂŒrlich den tatsĂ€chlichen Dreh – je nachdem, was das individuelle Projekt verlangt.
Sobald wir alles im Kasten haben, starten wir mit der Postproduktion. Angefangen vom sogenannten âTrackingâ, wo die Kamerabewegung des Videomaterials virtuell nachgebaut wird, ĂŒber die Erstellung, Animation und Simulation von 3D Elementen und Modellen, bis hin zum sogenannten âCompositingâ – wo man alles Schichten, also Video, Schatten- und Lichtinformationen, Texturen usw. ĂŒbereinanderlegt.
Zwischen den 3 Phasen haben unsere Kunden die Möglichkeit regelmÀssig Feedback zugeben, so arbeiten wir uns iterativ zu einem tollen Endergebnis.
Bei 3D-DOOH ist die ganze Prozedur Ă€hnlich – die Videoproduktion fĂ€llt jedoch raus und stattdessen gibtâs eine Live-Besichtigung gemeinsam mit der jeweiligen KundIn.
„Heute vorne mitzumischen heiĂt aus unserer Sicht vielseitig sein.“
Welche Rolle spielt KĂŒnstliche Intelligenz in eurem Workflow? Gibt es Phasen, in denen sie euch besonders unterstĂŒtzt oder sogar neue Ideen möglich macht?
Wie vermutlich jedes Unternehmen beschĂ€ftigen natĂŒrlich auch wir uns mit KI. Bei uns kommt sie aktuell vor allem in der Konzeption und Recherche zum Einsatz.
Mockups und kurze Videos können zum Teil recht rasch erstellt werden und helfen ein GefĂŒhl und eine Idee schnell zu kommunizieren – auch intern – nicht nur in Richtung unserer Kunden.
Wie verĂ€ndert KI euren kreativen Prozess â bleibt die Idee menschlich und die Umsetzung maschinell, oder verschwimmen diese Grenzen?
Komplette Ideen oder finale Outputs, die spĂ€ter öffentlich ausgespielt werden, erstellen wir derzeit noch nicht mit KI â vor allem, weil Ergebnisse in den entscheidenden Details oft noch nicht flexibel genug sind. Genau diese Feinheiten machen aber den Unterschied fĂŒr unsere Kunden aus â sie erwarten maĂgeschneiderte Konzepte mit einem hohen MaĂ an gestalterischer Kontrolle.
Trotzdem beobachten wir die Entwicklung sehr aktiv und testen regelmĂ€Ăig neue Tools und AnsĂ€tze. Manche KI-Modelle inspirieren kreative Richtungen oder liefern interessante visuelle Experimente, aus denen spĂ€ter echte Konzepte entstehen können.
Kurz gesagt: In unserem kreativen Prozess bleibt die Kernidee bislang ganz klar menschlich â aber die Umsetzung wird durch KI in manchen Phasen effizienter oder explorativer.
Was macht FOOH fĂŒr Marken besonders interessant? Warum lohnt es sich, in diese Art der Sichtbarkeit zu investieren?
FOOH ist fĂŒr Marken deshalb so spannend, weil es eine völlig neue Art von Sichtbarkeit ermöglicht: eine, die nicht an physische FlĂ€chen gebunden ist, aber trotzdem wie âechteâ AuĂenwerbung wirkt â nur eben mit weit gröĂerer Reichweite durch die Ausstrahlung auf Social Media.
DarĂŒberhinaus sind die benötigten UmsetzungszeitrĂ€ume und Kosten einfach kleiner gegenĂŒber vergleichbaren Guerilla-Stunts. Das ermöglicht Marken kurzfristiges Planen, gepaart mit einer unglaublichen Möglichkeit an FlexibilitĂ€t im Creative.
„Relevanz war schon immer das zentrale Ziel in der Werbung.“
Wie stellt ihr sicher, dass eure Projekte nicht nur visuell auffallen, sondern auch skalierbar und kulturell relevant bleiben?
Relevanz war schon immer das zentrale Ziel in der Werbung â egal ob im Radio, TV oder auf PlakatflĂ€chen. Formate Ă€ndern sich, aber im Kern geht es immer um die Idee und wie sie kommuniziert wird.
Deshalb legen wir den Fokus auf die Idee. Sie muss einen Nerv treffen â emotional, gesellschaftlich oder visuell. Das Format, ob FOOH oder 3D-DOOH, ist fĂŒr uns nur das Medium, ĂŒber das die Idee transportiert wird.
Was die Skalierung betrifft: Das liegt aktuell nicht in unserem direkten Aufgabenbereich. Wir sind keine Mediaagentur â kein Targeting, kein Influencer-Matching. Wir konzentrieren uns bewusst auf das, was wir am besten können: starke Ideen entwickeln und exzellent umsetzen. NatĂŒrlich geben wir Empfehlungen, wie Kampagnen verlĂ€ngert werden können â klassisch via Paid oder in Zusammenarbeit mit Creatorn â je nachdem, was zur Idee passt.
Welche Skills braucht es, um heute in diesem Bereich vorne mitzumischen â eher klassisch-visuell, techniknah oder beides?
Das ist eine gute Frage. Heute vorne mitzumischen heiĂt aus unserer Sicht vielseitig sein.
Gerade in kleinen, agilen Teams in unserer Branche braucht es Generalisten mit Fokus â also Leute, die vieles können, aber eine klare StĂ€rke mitbringen: Technik, Kreation, Kommunikation, Strategie.
Klassische Silos funktionieren hier eher schlecht. TechnikverstĂ€ndnis ist genauso wichtig wie KreativitĂ€t. Und ohne People Skills geht sowieso nichts â weil gute Ideen immer im Team entstehen.
KI verstĂ€rkt das Ganze noch: Sie macht es möglich, mit kleinen Teams enorm viel Output zu erzeugen. Aber nur, wenn alle bereit sind, sich damit auseinanderzusetzen â egal ob mit Text-Prompts, generativen Bildern oder internen Automationen.
Wohin entwickelt sich euer Feld gerade â denkt ihr in Richtung Live-Experiences, KI-generierte Inhalte, neue Interfaces oder ganz andere Formen?
AR ist immer wieder ein Thema, das bei uns in Anfragen aufkommt. Hier haben wir auch bereits richtig coole Möglichkeiten zur Umsetzung, die wir gemeinsam mit unserem Softwarepartner CodeflĂŒgel erarbeitet haben.
Aktuell bespielen wir immer öfter das neue 3D Billboard im Prater. Generell bietet Digital Out Of Home (DOOH) die Möglichkeit einer Verbindung mit dem Format FOOH. Benefit ist hier ganz klar die breitere Abdeckung der Zielgruppen, sowohl Out Of Home und Social Media werden erreicht.
Kurz gesagt beobachten wir, dass FOOH immer mehr Bestandteil von Kampagnen wird. Wie kann man das Format weiter denken und in den Marketingmix kreativ integrieren – das beobachten wir aktuell sehr stark. Einer unserer FOOHs lief sogar im TV im Februar.
Viele Marken â wie zum Beispiel Samsung â zeigen, wie vielfĂ€ltig FOOH heute eingesetzt werden kann: Im Rahmen eines ihrer jĂŒngsten Produkt-Launches lieĂen sie ĂŒber zwanzig 3D-Creator:innen eigene FOOH-Clips produzieren und auf ihren KanĂ€len veröffentlichen.. Samsung lĂ€sst hier den Creators bewusst sehr viel Freiraum.
In Sachen KI experimentieren wir gerne, wenn Zeit neben dem TagesgeschĂ€ft bleibt – ein konkretes Angebot in diesem Bereich haben wir jedoch noch nicht.
„Wir lieben es, uns einzubringen, zu experimentieren und kreativ zu tĂŒfteln.“
Was inspiriert euch persönlich, um am Puls der Zeit zu bleiben â und wie integriert ihr dieses Wissen in euren Alltag?
Vor allem durch unser zweites Unternehmen FOOH.com bekommen wir sehr viel mit, was sich in der Branche tut. Alleine die Masse an Beispielen, die wir tĂ€glich zu Gesicht bekommen, ist pure Inspiration fĂŒr uns. Unglaublich, was hier abgeht und welch talentierte Leute es gibt. Um mehr Aufmerksamkeit auf die Nische zu lenken veröffentlichen wir auch bald unseren ersten FOOH Industry Report – wo man exklusive Einblicke in das Format und dessen Entwicklung bekommen kann.
AuĂerdem versuchen wir viel zu experimentieren. Auch in Kundenprojekten – wer mit uns gearbeitet hat weiĂ, dass oft der ein oder andere Gag oder ein zusĂ€tzliches Element im Video landet, welche ursprĂŒnglich nicht vereinbart waren – aber das Video total aufwerten. Wir lieben es, uns einzubringen, zu experimentieren und kreativ zu tĂŒfteln.
Ansonsten hören wir Podcasts, schauen YouTube, scrollen auf Instagram und verfolgen die News â von Unternehmertum, ĂŒber Hollywood Behind-the-Scenes, bis hin zu den groĂen AI Promovideos surfen wir die Flut an Content, die uns heute zur VerfĂŒgung steht. Oft findet sich die Inspiration in einem komplett anderen Thema, dass vielleicht gar nichts mit CGI zu tun hat.
Wenn ihr einen Wunsch frei hĂ€ttet: Welches Projekt wĂŒrdet ihr morgen sofort umsetzen, wenn Zeit, Budget und Kunde keine Rolle spielen?
Eine Kampagne bestehend aus einem 3D Billboard, einem FOOH Asset und einer physischen Komponente vor Ort.
Im 3D Billboard sehen wir einen Clip mit einem riesigen Ball. Beim FOOH sieht man, wie dieser Ball aus dem Billboard ârausfĂ€lltâ und eine Person diesen auffĂ€ngt. Die physische Komponente wĂ€re dann vor Ort. In dem Moment, wo der Ball den Screen-Rahmen erreicht, verschwindet er vom Screen und es fĂ€llt ein echter ĂŒberdimensionaler Ball hinter dem Billboard raus. Also eine echte Verbindung zwischen der digitalen und echten Welt â und garantiert ein Hingucker. Warum? Weil wir es lieben, auffĂ€llige 3D-Erlebnisse zu gestalten â und weil Tim und ich ursprĂŒnglich aus dem Maschinenbau kommen. Wir sprechen schon lange darĂŒber, wie man diese beiden Welten sinnvoll verbinden kann. Ein Projekt wie dieses wĂ€re fĂŒr uns die perfekte Spielwiese: KreativitĂ€t, Technik und die Frage, wie weit man RealitĂ€t digital erweitern kann â alles an einem Ort.