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What's Next FREUDE?

Das Freude Kreativ-Duo Alexander Hofmann und Simon Pointner versteht Marken nicht als Abfolge einzelner Disziplinen, sondern als zusammenhĂ€ngendes System aus Strategie, Design, Werbung und Produktion. In der Wiener Zirkusgasse entstehen Konzepte, die KomplexitĂ€t reduzieren, Klarheit schaffen und Marken erlebbar machen – visuell, rĂ€umlich und technologisch. Ein GesprĂ€ch ĂŒber Fokus in Zeiten permanenter Beschleunigung, kreative Energie als Haltung und warum Relevanz nicht durch Masse entsteht.

FREUDE

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Was treibt euch an?

Freude. Freude ist bei uns Energie. Treibstoff. Haltung. Wir lieben, was wir tun – und genau deshalb nehmen wir es ernst. Wir sind gut darin, Dinge zusammenzubringen, die oft getrennt gedacht werden: Markenarbeit, Design, Werbung, Produktion. FĂŒr uns sind das keine Disziplinen. Das ist ein System, wo alles ineinander greifen muss. Unsere StĂ€rke ist, KomplexitĂ€t zu reduzieren und in sehenswerten Output zu ĂŒberfĂŒhren. Ideen zu entwickeln, die nicht nur ein Kribbeln auslösen, sondern etwas bewegen.

Und als Team pusht man sich da gegenseitig, weil der Wille von mehreren Leuten ganz anders motiviert.

Foto © Paul Sebesta
Foto © Paul Sebesta

Was unterscheidet euren Beratungsansatz von anderen Agenturen, und warum ist das relevant? Wie sieht das in RealitÀt aus?

Bei uns gibt es nicht zehn Ansprechpartner. Eine Person fĂŒhrt das Projekt und bringt alle Bereiche zusammen – Agentur, Designstudio und Content-Produktion. Ein Single Point of Contact, der die kreative Richtung vom ersten Gedanken bis zum fertigen Produkt hĂ€lt. Das macht Prozesse schneller, klarer und vor allem konsistenter. Freude funktioniert aus einer Hand. Und genau das ist heute relevant, weil Marken keine fragmentierten Lösungen mehr brauchen, sondern ein System, das zusammenhĂ€ngt.
„Freude ist bei uns Energie. Treibstoff. Haltung.“

Wie wĂŒrdet ihr euren Zugang zu Markenarbeit in einem Satz beschreiben, ohne Buzzwords?

Wir definieren die Rolle der Marke im Leben der Menschen.

Gab es einen Moment, in dem euch klar wurde: So wie frĂŒher funktioniert das nicht mehr?

Eigentlich nicht, weil wir immer versucht haben, einen Schritt voraus zu sein. Uns interessiert weniger, wie Dinge gerade gemacht werden – sondern wie sie als NĂ€chstes funktionieren könnten. Das betrifft Technologie genauso wie unser eigenes Setup. Mit der ersten KI-generierten Kampagne Österreichs fĂŒr das TMW haben wir frĂŒh begonnen, neue Möglichkeiten auszuloten. Gleichzeitig haben wir Freude so aufgebaut, dass Strategie, Design, Werbung und Produktion ineinandergreifen. Nicht irgendwann spĂ€ter. Sondern von Anfang an.

Was beobachtet ihr gerade, in der Branche, bei euren Kundinnen und Kunden, bei euch selbst?

Viele Organisationen merken gerade, dass Technologie allein keine Richtung vorgibt. AI beschleunigt alles. Die Branche produziert mehr denn je. Aber Menge ist noch keine Relevanz. Es fehlt dem Großteil der Arbeiten an Idee und Substanz. Und darum bewegt das alles nichts. Eine meiner aktuellen Lieblings-Studien zeigt das besonders charmant auf: Mehr als die HĂ€lfte der aktuellen Spots performen schlechter als ein Video einer grasenden Kuh.

Und Kundinnen und Kunden spĂŒren, dass sich da etwas in die falsche Richtung bewegt hat. Viele unserer Kundinnen und Kunden suchen nicht mehr nur Kampagnen. Sie suchen Orientierung. Klarheit. Entscheidungen. Und wir beobachten bei uns selbst: Je mehr Möglichkeiten es gibt, desto wichtiger wird Fokus. Wir haben das sehr frĂŒh gespĂŒrt.

„Marken werden nicht durch PDFs relevant, sondern durch konsequente Entscheidungen und Erfahrungen, die man tatsĂ€chlich spĂŒrt.“

Welche strategischen Prinzipien braucht es heute, damit Marken langfristig relevant bleiben?

Strategie muss anwendbar sein. Und sie muss fĂŒr Menschen erlebbar gemacht werden. Alles andere bleibt ein schönes Booklet in der Schublade. Marken werden nicht durch PDFs relevant, sondern durch konsequente Entscheidungen und Erfahrungen, die man tatsĂ€chlich spĂŒrt. Deshalb denken wir Strategie nie isoliert, sondern immer in Umsetzung mit.

Wie sieht fĂŒr euch Zusammenarbeit auf Augenhöhe aus, mit Teams, mit Kundinnen und Kunden, mit Partnerinnen und Partnern?

Am Ende ist das alles ein People’s Business. FĂŒr uns funktioniert Zusammenarbeit wie ein gutes Basketball-Team: klare Rollenverteilung, gegenseitiges Vertrauen und voller Einsatz fĂŒr das gemeinsame Ergebnis. Jeder bringt seine StĂ€rke ein, aber niemand spielt nur fĂŒr sich selbst. Genau dadurch entsteht Dynamik. Und meistens auch die beste Arbeit.

Gibt es Prinzipien, an denen ihr festhaltet, auch wenn sie unpraktisch oder unwirtschaftlich erscheinen?

Es muss Freude machen. Das klingt vielleicht simpel, ist fĂŒr uns aber ein echtes Prinzip. Wir wollen Spaß an der Arbeit haben – im Team, mit unseren Kundinnen und Kunden und im gesamten Prozess. Denn man spĂŒrt sofort, ob etwas mit Energie entstanden ist oder nur abgearbeitet wurde. Diese Haltung beeinflusst am Ende immer auch die QualitĂ€t.

Was braucht ihr intern, um richtig gute Arbeit zu machen, und was steht dem manchmal im Weg?

Die besten Köpfe aus unterschiedlichen Bereichen – Menschen mit Haltung, Neugier und Lust, gemeinsam Dinge zu bauen. Gute Arbeit entsteht nie im Alleingang. Sie entsteht, wenn unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen. Im Weg steht dabei oft genau das, was heute ĂŒberall zunimmt: Geschwindigkeit ohne Fokus. Deshalb versuchen wir intern RĂ€ume zu schaffen, in denen Gedanken auch mal fertig gedacht werden dĂŒrfen.

Wie fördert ihr KreativitÀt und Innovation innerhalb eures Teams?

Wir schaffen in der Zirkusgasse einen Raum, in dem Dinge ausprobiert werden dĂŒrfen. Es ist sogar explizit gewĂŒnscht. Heute entsteht ein neues Markendesign. Morgen eine Kampagne. Am Nachmittag denken wir in RĂ€umen – und plötzlich wird ein Markenduft daraus. FĂŒr uns endet KreativitĂ€t nicht bei Kommunikation. Sie beginnt dort erst richtig. Wir versuchen, Marken ganzheitlich erlebbar zu machen – visuell, rĂ€umlich, inhaltlich, technologisch. Markenarbeit, Design, Werbung und Produktion greifen ineinander. Nicht linear. Sondern gleichzeitig. Innovation entsteht bei uns, wenn Disziplinen aufhören, sich zu erklĂ€ren – und anfangen, gemeinsam zu bauen. Das macht uns große Freude. Und genau diese Freude ist der Motor, der uns weiterdenken lĂ€sst. Wer Freude an KreativitĂ€t hat, sucht automatisch nach neuen Möglichkeiten, Ideen zum Leben zu erwecken. Dieser Innovationsgeist kommt bei uns von selbst aus den Teams.
„Mehr als die HĂ€lfte der aktuellen Spots performen schlechter als ein Video einer grasenden Kuh.“

Wie nutzt ihr KI, ohne eure Haltung zu verlieren?

Wir nutzen KI mittlerweile in nahezu allen Bereichen – von Automatisierung ĂŒber Marktforschung bis hin zu kreativen Prozessen, Coding oder Produktion. Aber Technologie ersetzt bei uns keine Haltung. Sie verstĂ€rkt sie. KI ist fĂŒr uns kein Ersatz fĂŒr Ideen, sondern ein Werkzeug, um schneller zu Erkenntnissen zu kommen und neue Möglichkeiten sichtbar zu machen. Entscheidend bleibt immer die Frage: Warum machen wir etwas – und nicht nur wie schnell.

Welche Rolle spielen gesellschaftliche und ökologische Aspekte in eurer Arbeit, und wie integriert ihr sie konkret?

Das ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit, weil Marken heute nicht mehr losgelöst von gesellschaftlicher RealitĂ€t funktionieren können. Letztes Jahr haben wir deshalb die Ausstellung „Design for Good“ umgesetzt, um den Wert von KreativitĂ€t fĂŒr gesellschaftliche, soziale und ökologische Themen spĂŒrbar zu machen. FĂŒr uns geht es dabei nicht um Haltung als Kommunikationsmaßnahme, sondern darum, welchen tatsĂ€chlichen Beitrag KreativitĂ€t leisten kann.

Welche aktuellen Entwicklungen im Marketing inspirieren oder irritieren euch, und wie geht ihr damit um?

Inspiration kommt aktuell ganz klar vom rasanten Fortschritt neuer Tools und Technologien. Dinge, die vor einem Jahr noch unmöglich gewirkt haben, sind plötzlich Teil des Alltags. Das eröffnet unglaublich viele Möglichkeiten.

Irritierend finden wir eher, dass AI oft noch als Gegner gesehen wird. Dabei geht es nicht darum, KreativitÀt zu ersetzen, sondern neue Wege zu finden, sie zu erweitern. Wir versuchen deshalb, Technologie nicht mit Angst zu betrachten, sondern mit Neugier.

Woran macht ihr den Erfolg eurer Arbeit fest, abseits von Reichweite oder Umsatz?

Daran, ob eine Marke plötzlich klarer wird. Ob Entscheidungen wieder schneller getroffen werden können. Ob Teams wieder Lust auf ihre eigene Marke bekommen. Erfolg ist, wenn unsere Arbeit intern Bewegung auslöst – und extern Resonanz. Und auch daran, ob wir selbst spĂŒren: Das war nicht nur ein Projekt. Das war ein Schritt nach vorne.

Wenn ihr in fĂŒnf Jahren auf diese Zeit zurĂŒckblickt, was hofft ihr, werdet ihr dann anders oder besser gemacht haben?

Uns fĂŒr das nĂ€chste Interview nicht so viel Zeit zu lassen. Danke fĂŒr den tollen Austausch.