Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, lieber Ulrich! Bei all dem, was du da so machst, keine Selbstverständlichkeit! Fangen wir vielleicht einfach mal mit deinem “Brot und Butter”-Job an. Was hat dich ursprünglich zur Fotografie gebracht? Gab es einen bestimmten Moment, in dem du wusstest: Das ist mein Weg?
„Transparente Systeme schaffen Vertrauen in die Technologie und fördern deren verantwortungsvolle Nutzung.“
Was fasziniert dich besonders an der Fotografie? Und wie verändert die omnipräsente KI diesen Bereich? Wie gehst du damit um?
Ich glaube, das hat sich bei mir auch über die Jahre verändert. Anfangs war es das Festhalten von Millisekunden im Extremsport, die Tricks und Fähigkeiten der Athleten bestmöglich zu zeigen. Dann hat sich mein Interesse hin zur Portraitfotografie gewandelt, weil ich die Persönlichkeiten hinter den Tricks spannend fand und von da an war für mich immer das Wichtigste, Menschen zu zeigen. Idealerweise Menschen, die selbst eine Passion für etwas haben.
Mittlerweile geht es für mich in der Fotografie und all den anderen Projekten, die ich so mache, darum, mit interessanten Menschen zu arbeiten und gemeinsam etwas hoffentlich Schönes zu gestalten, das in Menschen irgendetwas auslöst.
Die KI ist eine wahnsinnig faszinierende Technologie, welche die Branche über die nächsten Jahre sicherlich stark begleiten und Veränderung mitgestalten wird. Meiner Meinung nach hat das Thema so extrem viele Ebenen, dass das den Rahmen hier sprengt. Ich weiß aber, dass mir in der Fotografie das Arbeiten mit Menschen Spaß macht. Wenn sich die Arbeit mit KI in eine Richtung entwickelt, wo die Arbeit daraus besteht, alleine vor dem Computer Text in ein Programm einzugeben, überleg ich mir eventuell was Anderes.
Du arbeitest sowohl an großen kommerziellen Kampagnen als auch an kleineren Editorials – gibt es für dich einen Unterschied in der Herangehensweise oder im kreativen Prozess?
Neben deiner Arbeit als Fotograf betreibst du den Podcast „Gestatten Sie?!“. Was hat dich dazu inspiriert, dieses Format zu starten?
Meine Faszination zum Medium Podcast hat schon 2016 angefangen, als damals die New York Times ihren Podcast ‘The Daily’ gestartet hat. Ich lese selber nicht so viel und für mich war es eine Möglichkeit Informationen zu konsumieren und mich weiterzubilden, ohne lesen zu ‘müssen’. Auch ansonsten finde ich Podcast ein einzigartiges Medium, weil man so nah an den Zuhörenden dran ist und der Konsum so sehr in den Alltag integriert ist. Es wird einfach ein Bestandteil des alltäglichen Lebens, beim Kochen, Spazieren, Arbeiten, Sport machen, …
Aus dem Interesse zum Medium wollte ich dann einfach auch mal versuchen, was man da so machen kann. Zwei erste Anläufe sind gescheitert aber jetzt hab ich glaub ich meinen Zugang gefunden und es ist für mich einfach von Woche zu Woche ein neues Geschenk, das ich von meinen Gesprächspartner*innen bekomme.
„Jede Person, jede Geschichte hat etwas Eigenes und ich darf davon lernen.“
Gibt es ein Gespräch oder eine Begegnung in deinem Podcast, die dich besonders beeindruckt oder inspiriert hat?
Mit der „Creative Therapy Session“ hast du einen Safe Space für Kreative geschaffen. Was war deine Motivation dahinter und wie läuft so ein Treffen ab?
Die Creative Therapy Session ist aus einem persönlichen Verlangen nach Austausch entstanden. Während Corona habe ich viel alleine von zu Hause gearbeitet und mir hat ein Ort gefehlt, wo man andere kreative Leute treffen kann. Mir ist es immer wichtig zu sagen, dass das kein Networking Event ist, sondern ein Safe Space für alle Kreativschaffenden, die Austausch suchen. Ich glaube, die Zeiten des extremen Konkurrenz-Denkens sind vorbei und es geht in Zukunft darum, wie man gemeinsam gestalten kann. Wie man sich gegenseitig unterstützen kann. Gemeinsam ist alles einfacher und macht auch mehr Spaß.
Einen klaren Ablauf gibt es für das Treffen nicht. Wir treffen uns immer am ersten Donnerstag des Monats in einem Lokal und ein Haufen wahnsinnig lieber Menschen kommen zusammen, um einen schönen Abend miteinander zu verbringen. Man kann sich überall dazu setzen, Fragen stellen, Erfahrungen teilen, sich inspirieren lassen oder idealerweise auch über Dinge reden, die gar nicht so viel mit der Arbeit zu tun haben.
Hast du das Gefühl, dass Kreative oft unter Druck stehen, sich ständig vernetzen oder vermarkten zu müssen? Möchtest du mit deinem Meetup dem etwas entgegensetzen?
„Gemeinsam ist alles einfacher und macht auch mehr Spaß.“
Was bedeutet Kreativität für dich persönlich? Hast du bestimmte Routinen oder Rituale, die dir helfen, kreativ zu bleiben?
Was Kreativität für mich bedeutet ist ein Thema, das ich gefühlt laufend mit allen möglichen Leuten spreche, aber noch zu keinem Ergebnis gekommen bin. Aber ich glaube, Kreativität ist einfach ein Zustand der Freiheit.
Kreative Routinen ändern sich für mich immer wieder. Früher war es für mich am inspirierendsten, mich in das Kunsthistorische Museum auf eine Bank zu setzen und einfach Stunden lang nachzudenken. Heute glaube ich an den Austausch mit Menschen. Jedes Gespräch bringt mich auf neue Gedanken und bringt Ideen ins Rollen.
Gibt es ein Projekt oder eine Idee, die du in Zukunft unbedingt umsetzen möchtest?
Zum Abschluss: Was ist dein wichtigster Rat für aufstrebende Fotograf:innen oder Kreative, die ihren eigenen Weg gehen möchten?
Vielen Dank für das schöne Gespräch, lieber Ulrich!
Mehr über Ulrich findest du auf seiner Website.
Seinen Podcast „Gestatten Sie“ kannst du hier anhören.