“Schaue nicht zu viel, was andere tun, lass dich nicht ablenken von deiner eigenen Stimme. Hüte das, was durch dich hindurchfließen will, wie einen Schatz.”
Liebe Judith, vielen Dank für deine Zeit! Springen wir mal einfach direkt rein: Wo bist du gerade auf der Welt?
Echt ein toller Platz, den ihr euch da geschaffen habt! Auch der Artikel dazu im Dwell Magazin, war sehr spannend fand ich, wie man sich einen Ort zu „eigen“ macht. Absolute Leseempfehlung. Nach diesem Interview natürlich. 😉
Aber mal zu dir persönlich: Was machst du eigentlich genau und wie bist du darauf gekommen?
Ich arbeite als Art und Communication Consultant. Meine Faszination für Kunst ist in meiner Kindheit entstanden, auch meine Eltern waren immer kunstinteressiert. Ausstellungen zu besuchen, war ein Familienritual. Mein Vater war Mathematiklehrer, aber hat in seiner Freizeit wunderschöne Kunstwerke geschaffen, Fotografie, Aquarelle und Skulpturen. Ich habe auch Kunstgeschichte studiert in Salzburg und Italien.
Ok, zurück zu deiner Frage: Meine Felder sind vielfältig. Ich berate Privatkunden, Interior Designer und Architekten im Kunstkauf, erledige Recherchearbeiten, finde die richtigen Werke am Markt, führe die Verhandlungen und kümmere mich um die Kunsttransporte und Installationen.
Außerdem bin ich als Consultant tätig für Businesses im und um den Kunstbetrieb (Galerien, Advisors, Dealer, Künstler) und berate in Management Angelegenheiten, strategischer Kommunikation und Verkauf. Ich kuratiere Räume für Real Estate Projects, letzteres ausschließlich in New York.
Klingt extrem abwechslungsreich! Wie war denn dein Weg dorthin? Was hat dich dazu bewegt bzw. fasziniert?
Mutig! Find ich toll. Welche Skills sind deiner Meinung nach wichtig, um diesen Beruf zu ergreifen?
Die Fähigkeit, präzise zu arbeiten, Beratungsqualitäten, die Fähigkeit zu dienen und gleichzeitig zu führen. Gut in Kommunikation sein, zu wissen, was priorisiert werden muss.
Du musst dafür brennen. Offen zu sein und neugierig, keine Mühen und Reisestrapazen scheuen.
Und man sollte gut darin sein, Menschen Raum zu geben, sich selbst zu entwickeln. Geschmack zu entwickeln, Sicherheit, Selbstbewusstsein; das Händchen zu haben, Menschen zu zeigen, was ihre Stärke ist oder wo ihre eigene Leidenschaft wirklich sitzt.
„Kunst hat die Aufgabe, zu verbinden. Menschen verlieben sich in Kunstwerke, das ist immer schön zu beobachten. Kunstwerke haben energetische Kraft.“
Love it. Wo liegen für dich die Unterschiede in der Kunstwelt im Vergleich von USA und Österreich?
Ich persönlich fühle mich freier in New York. Mittlerweile muss ich aber auch sagen, in den meisten Arbeitssituationen kümmert es die Menschen, mit denen ich arbeite, nicht wirklich, ob ich gerade in Wien sitze oder in NY Upstate oder wo auch immer.
Wien hat eine interessante Kunstszene, da tut sich was. Auch international wird das wahrgenommen. In New York schätze ich es, wie “natürlich” es ist, mit Leuten zu netzwerken und “Business zu machen.” Es ist das normalste auf der Welt, dass du mit Business ums Eck kommst oder eine Idee zur Kollaboration hast. “Was machst du, was willst du, was springt für beide raus, let’s do it” da wird nicht lange gefackelt, man kommt gleich zur Sache (traurigerweise muss ich auch nun im Jahre 2022 sagen, egal ob du Mann oder Frau bist). Das Gefühl habe ich in Ö weniger.
Das stimmt, hab’ ich auch öfter mitbekommen in letzter Zeit. Bist du offen für junge österreichische Künstler:innen? Suchst du auch Talents oder arbeitest du nur mit etablierten Künstler:innen?
Wow! Klingt wirklich toll. Lass uns ein bisschen mehr im größeren Kontext sprechen: Klischeehaft sagt man ja oft “Kunst entsteht im Kontext” oder “liegt im Auge des Betrachters”. Wie siehst du das? Was macht für dich Kunst zur Kunst?
Ach, ich persönlich respektiere schon den historischen Bezug, es ist aber nicht nur akademisch, es ist viel mehr, es ist komplex, wie alles! Es schafft Kultur und Dialog. Es ist archaisch, es ist humanistisch und es geht auch um handwerkliches Können. Zeitströmungen spielen eine Rolle, und ja, auch der Markt.
Jeder soll seinen eigenen Weg darin finden. Ich arbeite schon mit bestimmten Codes – Hintergrund des Künstlers, Ausstellungen, Marktsituation, wie konsequent erschafft er oder sie eine bestimmte Sprache, hat es Substanz, und dann entscheide ich auch mit einer Riesenportion Instinkt.
Welche Aufgabe hat Kunst deiner Meinung nach?
Uh das stimmt. Man fühlt bei gewissen Bildern oder Kunstwerken die Energie, die hineingeflossen ist, finde ich. Manches hat eine magische Anziehung… hast du Tipps für junge Künstler:innen, wie sie ihre Stimme finden? Oder auch für junge Kreative, die spüren, dass es sie in diese Richtung zieht, aber sie trauen sich nicht, oder wissen gar nicht, wo/wie anfangen?
Das mag ich sehr.
Erzähl noch ein bisschen von dir: Du hast ja auch Branchen Hintergrund, warst unter anderem lange bei Red Bull Creative als Beraterin und Strategin. Was glaubst du, fehlt der Branche, was sind die Probleme aus deiner Sicht? Und was muss sich ändern?
Warum hast du persönlich den Job verlassen und wie hast du „deins“ gefunden?