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Helmut Kosa ist good at Wachstum ermöglichen.

Helmut Kosa hat die digitale Werbung in Österreich von Anfang an mitgeprĂ€gt – als GrĂŒnder von pjure, CEO von isobar und heute als Managing Partner von &US. Im Interview sprechen wir mit ihm ĂŒber das Agenturmodell im Wandel, Brand Commerce und die Frage, warum Wachstum mehr sein muss als ein Versprechen auf der Website.

Helmut Kosa

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Du bist ĂŒber einen ungewöhnlichen Weg in die Werbung gekommen – erst Industrie, ISO-Zertifizierung, Vertriebssteuerung, bevor ĂŒberhaupt Marke oder Kreation ins Spiel kamen. Das klingt weit weg von dem, was du heute machst. Was hast du aus dieser frĂŒhen Zeit mitgenommen, das dir spĂ€ter geholfen hat und das reinen „Werbern“ oft fehlt?

Was ich aus dieser frĂŒhen Zeit vor allem mitgenommen habe, ist ein ganzheitlicher Blick darauf, wie Unternehmen funktionieren – unabhĂ€ngig davon, ob es sich um Industrie-, Dienstleistungs- oder andere Unternehmen handelt.

Die ISO-Zertifizierung hat mir geholfen, Prozesse und AblĂ€ufe in Organisationen wirklich zu verstehen. Durch die Vertriebssteuerung habe ich außerdem gelernt, wo Werbung und Kommunikation letztlich wirken sollen: nicht im luftleeren Raum, sondern dort, wo sie dazu beitragen, dass der Vertrieb und damit die gesamte Organisation besser funktionieren.

Diesen gesamtunternehmerischen Blickwinkel konnte ich durch meine unterschiedlichen beruflichen Stationen entwickeln. Er hilft mir heute enorm in unserem Anspruch, Unternehmen bei ihrem nĂ€chsten Wachstumsschritt zu begleiten. Vielleicht ist genau das auch etwas, das klassischen Werber:innen manchmal fehlt: das VerstĂ€ndnis dafĂŒr, wie Kommunikation in die tatsĂ€chlichen AblĂ€ufe, GeschĂ€ftsmodelle und Wachstumsziele eines Unternehmens eingebettet ist.

„Lass dich nicht verbiegen.“

Mit dem ersten Online-Vermarkter des Landes und dann mit pjure als erster Online-Werbeagentur Österreichs warst du in einem Feld unterwegs, das die meisten damals noch gar nicht ernst genommen haben. Wie hat es sich angefĂŒhlt, Pionier in etwas zu sein, fĂŒr das der Markt noch keine Sprache hatte – und woher wusstest du, dass das kein Nischenthema bleibt?

Ich hatte das große GlĂŒck, bereits in der Startphase des Internets in Österreich dabei sein zu dĂŒrfen. Schon damals war fĂŒr mich relativ schnell klar, dass das Internet kein vorĂŒbergehender Trend sein wĂŒrde, sondern Kommunikation und den Zugang zu Informationen maßgeblich verĂ€ndern wird.

Gleichzeitig war es echtes Neuland. Mitte der 1990er-Jahre wussten viele Menschen und Unternehmen in Österreich noch nicht genau, was das Internet eigentlich ist – geschweige denn, was Werbung im Internet leisten kann. Wir mussten deshalb viel Aufbauarbeit leisten und den Markt Schritt fĂŒr Schritt entwickeln. Dabei haben wir selbst von Monat zu Monat dazugelernt.
Diese Pionierphase war besonders wertvoll, weil ich dadurch sehr frĂŒh verstanden habe, welche Fragen und Unsicherheiten Unternehmen beschĂ€ftigen: Wie geht man mit diesem neuen Medium um? Was kann man daraus entwickeln? Und welchen konkreten Nutzen hat es fĂŒr das eigene GeschĂ€ft?
Gerade weil es damals noch keine fertigen Antworten und kaum eine gemeinsame Sprache gab, mussten wir sehr nahe an den Unternehmen arbeiten. Das hat mir geholfen, nicht nur die technologische Entwicklung zu beobachten, sondern zu verstehen, was sie fĂŒr Kommunikation, Vertrieb und GeschĂ€ftsmodelle tatsĂ€chlich bedeutet.

2011 hast du pjure an isobar verkauft und bist dann selbst CEO im Dentsu-Aegis-Netzwerk geworden. Du hast damit beide Seiten erlebt: den unabhĂ€ngigen GrĂŒnder und den Manager im globalen Konzern. Was hat dich am Netzwerk-Modell ĂŒberzeugt – und was hat dich Ende 2018 wieder rausgehen lassen?

Im Laufe der Jahre hatte ich mit pjure Angebote von nahezu allen großen Agenturnetzwerken. Das hat mich zunĂ€chst aber nicht angesprochen, weil es dort keine eigenstĂ€ndige Rolle fĂŒr uns gegeben hĂ€tte. Wir wĂ€ren vermutlich eher ein AnhĂ€ngsel einer klassischen Agentur geworden – und das hĂ€tte weder zu pjure noch zu unserem VerstĂ€ndnis gepasst.

Bei Dentsu war die Ausgangslage eine andere. Das Netzwerk hatte in Österreich damals vor allem den Media-Bereich, aber noch keinen eigenen Kreativ- und Online-Schwerpunkt. Dadurch entstand die Möglichkeit, diese Bereiche fĂŒr Österreich und die Schweiz aufzubauen und pjure eine eigenstĂ€ndige Rolle innerhalb der Gruppe zu geben. Wir hĂ€tten also nicht einfach etwas Bestehendes ergĂ€nzt, sondern konnten etwas Neues entwickeln. Das hat mich sehr angesprochen.

Dentsu hat mich außerdem als Netzwerk beeindruckt, weil das Unternehmen technologisch und bei Innovationen weltweit zu den Vorreitern gehörte. Daraus ergaben sich spannende Möglichkeiten, die weit ĂŒber das klassische AgenturgeschĂ€ft hinausgingen.

UrsprĂŒnglich war geplant, nach dem Verkauf bis 2015 im Netzwerk zu bleiben. Danach wurde mir aber weiterhin eine spannende Aufgabe fĂŒr Österreich und die Schweiz angeboten, und so habe ich diese Rolle noch bis Ende 2018 ausgeĂŒbt.

Im Laufe des Jahres 2018 wurde mir allerdings zunehmend klar, dass Europa fĂŒr globale Unternehmen an Bedeutung verliert – und kleinere MĂ€rkte wie Österreich und die Schweiz innerhalb dieser Strukturen noch stĂ€rker unter Druck geraten. Wenn ich also noch einmal etwas Neues entwickeln wollte, musste ich es wieder selbst tun. Und ich wollte es auch wieder selbst tun.
Die Grundidee fĂŒr &US entstand bereits Anfang 2018. Ende des Jahres bin ich dann aus dem Netzwerk ausgestiegen, um diesen nĂ€chsten Schritt zu machen.

Du hast pjure als reine Online-Agentur gestartet und sie spĂ€ter um ein klassisches Standbein erweitert. Bei &US ist diese Trennung zwischen digital und klassisch quasi aufgelöst. RĂŒckblickend: War „Online-Agentur“ gegen „klassische Agentur“ je eine sinnvolle Unterscheidung – oder eine Übergangserscheinung, die sich zwangslĂ€ufig auflösen musste?

Ich glaube, dass es immer dann spezialisierte Anbieter braucht, wenn ein neuer Bereich entsteht. Das war bei der Online-Werbung nicht anders. Klassische Agenturen hatten ihr bestehendes GeschĂ€ft und ihre etablierten Arbeitsweisen. Und wir Menschen sind grundsĂ€tzlich nicht besonders verĂ€nderungswillig – außer es gibt einen klaren Anlass oder einen entsprechenden Druck.
Wir bei pjure hatten damals die Energie, den Enthusiasmus und das Engagement, diesen neuen Bereich von Grund auf aufzubauen. Das war zunĂ€chst auch unternehmerisch notwendig: Es musste Menschen geben, die sich ausschließlich mit dem Thema Online beschĂ€ftigten, bis daraus ein tragfĂ€higer und anschlussfĂ€higer Teil des Gesamtsystems geworden war.
Inhaltlich hat es allerdings von Anfang an wenig Sinn gemacht, digitale und klassische Kommunikation getrennt zu denken. Beide verfolgen letztlich dieselben Ziele: Menschen zu erreichen, Relevanz aufzubauen und Wirkung fĂŒr ein Unternehmen zu erzielen. Die Trennung war daher vor allem eine Phase der Spezialisierung und weniger eine echte inhaltliche Grenze.
Bei &US denken wir deshalb bewusst integriert. Klassische und digitale Werbung voneinander zu trennen, macht heute ĂŒberhaupt keinen Sinn mehr – und ich gehe davon aus, dass sich das auch nicht wieder Ă€ndern wird.
„Je leistungsfĂ€higer KI wird, desto wichtiger wird die Frage: Was genau will ich eigentlich erreichen?“

&US nennt sich Wachstumsberatung, nicht Agentur. Das klingt erst mal nach einem Etikett – aber offenbar steckt eine Haltung dahinter. Wo verlĂ€uft fĂŒr dich die Grenze zwischen „wir machen euch eine Kampagne“ und „wir stellen euer Unternehmen auf Wachstum ein“?

Wir nennen uns Wachstumsberatung, weil wir Unternehmen dabei unterstĂŒtzen wollen, ihren nĂ€chsten Wachstumsschritt zu schaffen. All unsere TĂ€tigkeiten und unser gesamtes Engagement sind darauf ausgerichtet. Wie dieser nĂ€chste Schritt aussieht, ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich – abhĂ€ngig davon, wo die Organisation gerade steht und welche Herausforderung sie lösen muss.
DafĂŒr verbinden wir bei &US drei Bereiche: Strategieberatung, Organisationsentwicklung und Werbung. Diese Disziplinen sind bei uns nicht nur unter einem Dach versammelt, sondern in unserem Ansatz miteinander integriert. Denn eine Wachstumsstrategie, die aus einer klaren Positionierung abgeleitet ist, muss zuerst in der Organisation verstanden und gelebt werden. Erst dann kann sie am Markt glaubwĂŒrdig und wirksam erlebbar werden.
Genau hier verlĂ€uft fĂŒr mich die Grenze zu einer reinen Kampagne. Eine Kampagne kann nach außen Aufmerksamkeit erzeugen und ein Versprechen formulieren. Sie bringt aber wenig, wenn die Organisation noch nicht in der Lage ist, dieses Versprechen auch einzulösen.
Das klingt zunĂ€chst logisch, wird in der Praxis aber hĂ€ufig nicht ausreichend berĂŒcksichtigt. Eine Kampagne ist vergleichsweise schnell entwickelt und sichtbar. Eine Organisation weiterzuentwickeln, braucht deutlich mehr Zeit und Konsequenz. Deshalb versuchen Unternehmen immer wieder, ĂŒber den schnellen Impuls einer Kampagne ein Problem zu lösen, das eigentlich eine strategische oder organisationale Weiterentwicklung erfordern wĂŒrde.
Unser Anspruch ist ein anderer: Wir wollen nicht nur Kommunikation entwickeln, sondern die Voraussetzungen dafĂŒr schaffen, dass Wachstum innerhalb des Unternehmens möglich wird – und am Markt auch tatsĂ€chlich eingelöst werden kann.

Du hast in der DACH-Region den Begriff „Brand Commerce“ geprĂ€gt. FĂŒr Außenstehende klingt das wie zwei Wörter, die man zusammensetzt. Was war der eigentliche Gedanke dahinter – und was hat in der Praxis vorher gefehlt, dass es diesen Begriff ĂŒberhaupt gebraucht hat?

Den Begriff „Brand Commerce“ habe ich erstmals Anfang der 2010er-Jahre verwendet. Damals wurden Markenaufbau und vertriebsorientierte Kommunikation meist strikt voneinander getrennt – sowohl in den Unternehmen als auch auf Agenturseite. Die eine Seite war fĂŒr Branding zustĂ€ndig, die andere fĂŒr Verkaufsförderung. Dabei wurde Verkaufsförderung hĂ€ufig als die weniger anspruchsvolle oder weniger wertige Disziplin gesehen.

FĂŒr mich war schon damals klar, dass Unternehmen beides brauchen – und dass diese beiden Bereiche eng aufeinander abgestimmt sein mĂŒssen. MarkenfĂŒhrung und Markenentwicklung schaffen Orientierung, Vertrauen und langfristige Relevanz. VertriebsunterstĂŒtzende Kommunikation sorgt dafĂŒr, dass diese Marke auch im konkreten Marktgeschehen wirksam wird und GeschĂ€ft unterstĂŒtzt.

Beides ist daher nicht voneinander zu trennen, sondern muss zusammengedacht und gemeinsam entwickelt werden. „Brand Commerce“ sollte genau diese Haltung nach außen sichtbar machen: Nachhaltiger Erfolg entsteht dann, wenn Marke und GeschĂ€ft nicht gegeneinander oder unabhĂ€ngig voneinander arbeiten, sondern sich gegenseitig verstĂ€rken.

Das klassische Agenturmodell steckt gerade sichtbar in der Krise – Honorare bröckeln, Kunden holen sich Leistungen ins Haus, große Netzwerke schrumpfen. Du hast dieses Modell von ganz innen gefĂŒhrt. Ist das ein Strukturproblem, das lange kommen musste, oder eine Momentaufnahme, die sich wieder einpendelt?

FĂŒr mich ist das keine Momentaufnahme, sondern ein strukturelles Problem. Die klassische Agenturbranche arbeitet vielfach noch immer mit einem GeschĂ€ftsmodell, das sich in den vergangenen 30 Jahren nicht grundlegend weiterentwickelt hat. Deshalb wird es dieses Modell in seiner bisherigen Form aus meiner Sicht auch nicht mehr geben.

Dabei haben wir ĂŒber Kommunikation nach wie vor eine große Chance: Wir können Unternehmen helfen, zu wachsen und konkrete Probleme zu lösen. DafĂŒr mĂŒssen sich aber auch die GeschĂ€ftsmodelle der Anbieter weiterentwickeln. StundensĂ€tze und klassische Leistungsmodelle, wie sie ĂŒber Jahrzehnte funktioniert haben, reichen nicht mehr aus, um die aktuellen Herausforderungen von Unternehmen abzubilden.

Technologische und gesellschaftliche VerĂ€nderungen haben den Druck auf Unternehmen deutlich erhöht. Gleichzeitig hat sich auch die Rolle Europas in der Welt verĂ€ndert. In diesem Umfeld brauchen Unternehmen Partner, die eng mit ihnen zusammenarbeiten, Verantwortung ĂŒbernehmen und ihre Leistungen transparent, klar und stĂ€rker am gemeinsamen Erfolg ausrichten.

Ich kann das auch aus unserer eigenen Erfahrung sagen: Wenn wir einem Unternehmen helfen, erfolgreicher zu werden und besser fĂŒr die Zukunft aufgestellt zu sein, profitieren wir als Partner automatisch mit. Es wird kaum ein Unternehmen geben, das nicht bereit ist, einen Partner angemessen am Erfolg zu beteiligen, wenn dieser nachweislich dabei hilft, das Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu begleiten.
„Es geht nicht um Wachstum um jeden Preis, sondern um den richtigen nĂ€chsten Entwicklungsschritt.“

Bei &US sitzen Strategie, Kreation, Vertrieb und Change-Management unter einem Dach. Das ist leicht behauptet und schwer gelebt – fast jedes Haus sagt von sich, es denke „ganzheitlich“. Woran merkt ein Kunde bei euch konkret, dass diese Disziplinen wirklich zusammenarbeiten und nicht nur nebeneinander sitzen?

Ja, das ist genau der Punkt: Ganzheitlichkeit ist leicht behauptet und schwer gelebt.

Als wir Ende 2018 mit &US begonnen haben und 2019 operativ in den Markt gegangen sind, haben wir Organisationsentwickler:innen, Unternehmensstrateg:innen und Werber:innen bewusst an einen Tisch gesetzt. Unsere erste Annahme war: Wenn diese Expert:innen gemeinsam an einem Projekt arbeiten, wird automatisch eine integrierte Lösung entstehen. Das hat in den ersten Monaten ĂŒberhaupt nicht funktioniert.

Der Grund dafĂŒr war, dass die verschiedenen Disziplinen unterschiedliche Sprachen, Arbeitsweisen und Herangehensweisen mitgebracht haben. Auch wir mussten diese schwierige Anfangsphase erst durchlaufen und uns intensiv damit beschĂ€ftigen, wie echte Zusammenarbeit ĂŒber diese Grenzen hinweg funktionieren kann.

Unsere Lösung war, gemeinsam eine neue Arbeitsweise zu entwickeln. Wir nennen sie &US Instant Impact. Sie basiert stark auf Hypothesen: Wir bringen die unterschiedlichen Perspektiven frĂŒh zusammen, formulieren gemeinsam Annahmen und ĂŒberprĂŒfen diese möglichst rasch in der Praxis.

FĂŒr Kund:innen bedeutet das konkret, dass Strategie, Organisationsentwicklung und Kommunikation nicht nacheinander in einzelnen Silos abgearbeitet werden. Die Expert:innen arbeiten gemeinsam an der relevanten Fragestellung und entwickeln daraus eine integrierte Lösung. Das spart nicht nur Schnittstellen, sondern fĂŒhrt auch schneller zu Ergebnissen, die strategisch fundiert, organisatorisch umsetzbar und am Markt wirksam sind.

Employer Branding ist bei euch ein eigenes Feld. Aus meiner Ecke – Recruiting und Personalberatung – sehe ich, wie viele Arbeitgebermarken auf Hochglanz gebaut sind und innen nicht halten, was außen versprochen wird. Wo beginnt fĂŒr dich ehrliches Employer Branding, und wo wird es zur Fassade?

Die Basis fĂŒr erfolgreiches Employer Branding ist fĂŒr uns eine klare Positionierung des Unternehmens. Aus dieser Positionierung muss sich ableiten lassen, was sie fĂŒr die Organisation bedeutet: Wie wird sie intern gelebt, und wie wird sie am Markt erlebbar?

Nur so kann Employer Branding authentisch sein. Es geht nicht darum, in einer Kampagne ein attraktives Bild des Arbeitgebers zu zeichnen, sondern um das, was im Unternehmen tatsÀchlich passiert und von den Mitarbeiter:innen erlebt wird.

Wir entwickeln deshalb zunĂ€chst eine starke Positionierung und leiten daraus ab, was sie fĂŒr die Arbeitgeber:innenmarke, aber genauso auch fĂŒr die Konsument:innenmarke bedeutet. Die Positionierung selbst ist eine gemeinsame. Nach innen und außen gibt es unterschiedliche Ausdrucksformen und Nuancen, aber der Kern muss derselbe sein.

Dieser Kern muss zuerst in der Organisation verstanden und gelebt werden. Erst dann sollte er nach außen kommuniziert werden. Wo die Kommunikation etwas verspricht, das die Organisation intern nicht einlösen kann, wird Employer Branding zur Fassade.

„Wo die Kommunikation etwas verspricht, das die Organisation intern nicht einlösen kann, wird Employer Branding zur Fassade.“

In einer Welt, in der KI Content beliebig und in Sekunden produzierbar macht – verschiebt sich damit, was Beratung wert ist? Wird das Strategische wichtiger, weil das Handwerkliche zur Ware wird, oder erlebst du das anders?

Wir sehen KI als ein sehr wertvolles Werkzeug fĂŒr unsere tĂ€gliche Arbeit – und zwar in praktisch allen Bereichen. Es geht dabei nicht nur um die Erstellung von Content. KI unterstĂŒtzt uns genauso in der Recherche und bei der Bearbeitung und Strukturierung von Prozessen.

Entscheidend ist aber die Zusammenarbeit mit diesen Tools. Je leistungsfĂ€higer KI wird, desto wichtiger wird die Frage: Was genau will ich eigentlich erreichen? In unserer Sprache heißt das: Was ist das richtige und gute Briefing?

Genauso wichtig ist die FÀhigkeit, die Ergebnisse einzuordnen und zu bewerten. Passt das Ergebnis zur Aufgabe, zur Marke, zur Zielsetzung und zu der QualitÀt, die wir erreichen wollen? Oder ist es zwar schnell produziert, aber inhaltlich nicht relevant?

Ich glaube, dass genau diese beiden FĂ€higkeiten kĂŒnftig den Unterschied machen werden: ein klares VerstĂ€ndnis davon, was man erreichen möchte, und die Kompetenz, die Ergebnisse kritisch zu beurteilen. Das Handwerkliche wird durch KI sicher leichter und teilweise auch zur Ware. Umso wichtiger werden strategische Klarheit, gute Briefings und menschliches Urteilsvermögen. Daran wird sich entscheiden, ob KI zu erfolgreicher Arbeit fĂŒhrt oder nur zu mehr Output.

„Wachstum“ ist gerade ĂŒberall – jede zweite Beratung verspricht es, jedes Deck endet mit einer Kurve nach oben. Wann ist Wachstum fĂŒr dich echtes Ziel und wann bloß das Wort, das man draufschreibt? Gibt es Kunden, denen du auch mal davon abrĂ€tst?

Die wichtigste Frage ist zunĂ€chst: Was bedeutet Wachstum fĂŒr dieses konkrete Unternehmen ĂŒberhaupt?

Wachstum heißt nicht automatisch, mehr Umsatz zu machen. Es kann auch bedeuten, profitabler zu werden, die richtigen Mitarbeiter:innen zu gewinnen oder in einem stark unter Druck stehenden Markt den eigenen Marktanteil zu sichern oder sogar auszubauen.

Wenn man Wachstum so versteht, ist es vor allem ein Anspruch an die Weiterentwicklung. Und diesen Anspruch braucht jedes Unternehmen. Organisationen mĂŒssen sich laufend weiterentwickeln, sich gegenĂŒber dem Wettbewerb immer wieder neu aufstellen, ihre Positionierung schĂ€rfen und ihre eigenen StĂ€rken herausarbeiten.
Deshalb rate ich Unternehmen nicht grundsĂ€tzlich von Wachstum ab. Ich rate aber sehr wohl davon ab, Wachstum nur als unreflektierte Umsatzkurve zu verstehen oder als Schlagwort auf eine PrĂ€sentation zu schreiben. Entscheidend ist, herauszuarbeiten, welche Form der Weiterentwicklung fĂŒr das Unternehmen gerade die richtige ist – und diese dann konsequent umzusetzen.
Wachstum hat fĂŒr mich also dann eine echte Bedeutung, wenn es zur Situation, zu den Möglichkeiten und zu den Zielen des jeweiligen Unternehmens passt. Es geht nicht um Wachstum um jeden Preis, sondern um den richtigen nĂ€chsten Entwicklungsschritt.

Zum Schluss: Du hast in ĂŒber zwanzig Jahren fast jede Rolle in dieser Branche gehabt – GrĂŒnder, VerkĂ€ufer, Konzern-CEO, Berater, Investor. Wenn du jemandem, der heute etwas Eigenes aufbaut, eine einzige Sache mitgeben könntest, die du gern frĂŒher gewusst hĂ€ttest – welche wĂ€re das?

Wenn ich eine Sache nennen mĂŒsste, dann wĂ€re es diese: Lass dich nicht verbiegen.

Geh deinen eigenen Weg und bleib klar in deinen Vorstellungen – bei aller Bereitschaft, dazuzulernen und die eigene Haltung weiterzuentwickeln. Es gibt immer wieder Angebote und Möglichkeiten, die auf den ersten Blick attraktiv wirken. Wenn man sich aber auf etwas einlĂ€sst, von dem man nicht wirklich ĂŒberzeugt ist und fĂŒr das man nicht mit voller Energie und Leidenschaft steht, sollte man es besser lassen.

Die eigene Energie, das Herzblut und die Leidenschaft sind letztlich die stĂ€rksten AntriebskrĂ€fte. Sie helfen nicht nur dabei, langfristig erfolgreich zu sein, sondern auch dabei, mit dem eigenen Weg zufrieden zu bleiben. Deshalb wĂŒrde ich jedem, der heute etwas Eigenes aufbaut, raten: Bleib offen und lernbereit – aber verliere dabei nie aus den Augen, wofĂŒr du wirklich stehst.

Danke fĂŒr das tolle GesprĂ€ch, Helmut!

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