Liebe Elena, du hast in der internationalen Hotellerie begonnen. Was hat dir diese Zeit über Menschen, Erwartungen und Kommunikation beigebracht?
„Ein Kunde meinte mal, dass wir eine Agentur mit Fünf-Sterne-Hotel-Service wären und das ist mit eines der schönsten Komplimente für mich.“
Was aus der Hotellerie nutzt du heute in Führung und Kundenarbeit wirklich noch jeden Tag?
Gastgeberin zu sein bedeutet für mich so viel mehr, als im Hotel zu arbeiten. Ich bin das immer und ständig. Mitarbeiter:innen sollen sich im Büro wohlfühlen, daher sieht es schön aus und hat alles, was man braucht. Kund:innen sollen nie hungrig oder durstig bleiben. Ich möchte, dass sie sich willkommen und umsorgt fühlen. Mir ist wichtig, dass man an Tischen zusammenkommt, dass man zusammen isst oder sich austauscht. All das versuche ich in unterschiedlichen Formaten oder bei kleinen Terminen unterzubringen. Wenn Menschen neu in der Stadt sind, stelle ich Karten mit Restaurants und Ausflügen zusammen. Wenn Leute im Nebensatz erwähnen, dass ihre Kinder in einer anderen Stadt eine Wohnung suchen, checke ich meine Kontakte. Ganz so, wie man es an der Rezeption macht. Ein Kunde meinte mal, dass wir eine Agentur mit Fünf-Sterne-Hotel-Service wären, und das ist eines der schönsten Komplimente für mich.
Die andere Sache ist, dass ich mich jeden Tag in meinem Kopf sagen höre: Es gibt immer eine Lösung. Denn es gibt tatsächlich immer eine. Das lernt man im Hotel schnell, aber es hilft einfach bei der Büroarbeit genauso.
Und zuletzt: Es ist alles nicht so wichtig, wie wir annehmen, und man sollte fast alle Situationen (gesundheitliche Probleme ausgeschlossen) erst mal mit Humor betrachten.
Wann kam bei dir der Moment, an dem klar war: Ich wechsle in Richtung Strategie und Kommunikation?
Du warst dann mehrere Jahre in Berlin in der digitalen Agenturwelt. Was war dort für dich die wichtigste Schule?
Erinnerst du dich an den Moment, in dem klar war: Ich übernehme den Familienbetrieb? Und was war der Auslöser?
„Es gibt immer eine Lösung. Denn es gibt tatsächlich immer eine.“
Was war bei der Übernahme schwieriger: das Operative oder das Emotionale, also Rollen, Erwartungen, Loyalitäten?
Ganz klar das Emotionale. Es war so viel anstrengender, als ich geplant hatte. Aber vor allem deswegen, weil ich eine zu klare Vorstellung davon hatte, wie es laufen wird. Zu klare Vorstellungen sind sowieso nicht hilfreich im Unternehmerinnentum, weil es sowieso oft anders kommt. 🙂 Ich bin von einer 800-Personen-Agentur auf 15 Personen gesprungen. Von Berlin nach Wien. Und the cherry on top war noch, dass ich relativ jung war und eine Frau, also für österreichische Verhältnisse sehr untypisch (offenbar). Da muss man sich den Platz am Markt erst mal erarbeiten.
Das Operative war total easy. Ich berate Unternehmen im Wachstum oder in der Verkleinerung. Die Anpassung von Prozessen wird einfach, sobald man einen pragmatischen Blick darauf hat. Und ich verstehe Marken und Kommunikation.
Wie schützt man in einem Familienbetrieb das Gute aus der Vergangenheit, ohne im Gestern stecken zu bleiben?
Was hat sich durch den Schritt zurück nach Wien für dich verändert, beruflich und persönlich?
Du hast die Agentur später umbenannt und als FORA neu positioniert. Was wolltest du damit neu setzen, und wovon wolltest du dich lösen? FORA beschreibt sich als Agentur und Beratung. Warum war dir diese Doppelrolle wichtig?
Ich wollte einen Namen, der nicht an mir hängt, damit sich andere Menschen damit identifizieren können.
Agentur und Beratung gehen für mich ganz logisch Hand in Hand. Gerade in Zeiten von KI geht ohne Beratung und Begleitung gar nichts.
„Struktur ist immer dann hilfreich, wenn sie so verstanden wird, dass sie den Rahmen vorgibt, der Menschen maximalen Freiraum für Kreativität gibt.“
FORA spricht stark über Struktur, Prozesse und Organisation. Wann wird Struktur hilfreich, und wann wird sie zur Ausrede?
Welche Entscheidungen in den letzten Jahren waren die unpopulären, aber richtigen, aus deiner Sicht?
„Zu klare Vorstellungen sind sowieso nicht hilfreich im Unternehmerinnentum, weil es sowieso oft anders kommt.“
Wie gehst du mit dem Spannungsfeld um: Kundenerwartung und Performance auf der einen Seite, eigene Haltung und Kultur im Unternehmen auf der anderen?
Das ist für mich kein Spannungsfeld, weil meine Haltung so klar kommuniziert ist, dass nur Menschen mit einer ähnlichen Haltung bei uns arbeiten und wir ausschließlich mit Menschen kooperieren, die das auch so sehen. Ich empfinde da eine sehr hohe Verantwortung bei Kommunikator:innen. Wir könnten alle sehr viel verändern, wenn wir uns ein bisschen ernster nehmen würden.
Die Freiheit zu entscheiden, mit wem ich berufliche Zeit verbringen möchte, möchte ich nie wieder missen.