„Eigentlich soll es um Relevanz gehen, doch in Wirklichkeit wird nur noch Wiederholung belohnt.“
âTrendsâ sind nicht mehr im Trend
Es gab einmal eine Zeit, da waren Trends universell bekannt und man konnte ihnen problemlos folgen.
Ob es nun um Single-Speed-FahrrĂ€der, Low-Rise Jeans (yikes!) oder Matcha-Lattes ging â Trends waren klar erkennbar und man konnte sich ihnen anschlieĂen, um dazuzugehören.
Dann kam der Wandel. Plötzlich waren Trends ĂŒberall â Mikrotrends, Ăsthetiken, Normcore, Gorpcore, Cottagecore – you name it.
Wir waren ĂŒberfordert und verschĂŒtteten unseren Matcha-Latte (jetzt mit Hafermilch), wĂ€hrend wir versuchten, Schritt zu halten.
Agenturen und Marketer sehen nun, wie ein Trend vergeht, bevor ihr Konzept ĂŒberhaupt gedruckt ist oder, schlimmer noch, bevor der Algorithmus es als nicht mehr relevant einstuft.
Matt Klein, ein renommierter Kulturanalyst, bringt es auf den Punkt:Â âTrends sind keine Antworten, sondern Gelegenheiten, Fragen zu stellen.â
Diese Perspektive lĂ€dt uns ein, ĂŒber den oberflĂ€chlichen Hype hinauszublicken und die tieferliegenden kulturellen Strömungen zu verstehen.
Denn, Marken nutzen Trend-Reports heute oft weniger als Erkenntnisquelle â sondern eher als Schaufenster fĂŒr ihre Kampagnen. Der Trend wird zur Legitimation des bereits vorhandenen, statt zum Ausgangspunkt echten kulturellen Verstehens. Der Drang, Trends hinterherzujagen, hat zwei entscheidende Folgen:
Erstens sehen die Inhalte vieler Marken zunehmend gleich aus â weil sich alle bemĂŒhen, dieselben Ăsthetiken zu imitieren.
Zweitens fĂŒhrt diese Dauer-Reproduktion zur kulturellen Verflachung: Wenn Marken und Influencer Trends im Sekundentakt kopieren, entsteht eine Endlosschleife auf Social Media, in der nur noch âdas Gleicheâ angezeigt wird. Denn der Algorithmus zeigt, was oft geklickt wird â Marken wiederum folgen dem Algorithmus statt den Menschen.
Ein paradoxes Spiel: Eigentlich soll es um Relevanz gehen, doch in Wirklichkeit wird nur noch Wiederholung belohnt.
Doch wer nur auf Trendwellen reitet, wird unweigerlich von der nĂ€chsten ĂŒberrollt.
Was es wirklich braucht, ist ein Blick unter die OberflĂ€che â ein VerstĂ€ndnis fĂŒr das, was ansteht, noch bevor es im Feed trendet.
Methoden wie die Semiotik und Cultural Insight Research helfen genau dabei.
Sie entschlĂŒsseln, wie sich kulturelle Bedeutungen verĂ€ndern, welche Werte in Bewegung geraten â und wie Marken langfristig relevant bleiben können.
Statt nur zu fragen âWas ist der nĂ€chste Trend?â, ermöglicht Cultural Insight zu verstehen: âWarum jetzt?â, âWas bedeutet das kulturell?â und âWas kommt als NĂ€chstes in Bewegung?â
In einer Welt, in der Trends schneller vergehen, als wir sie erkennen können, wird es fĂŒr Marketer entscheidend, sich nicht nur fĂŒr das Sichtbare zu interessieren â sondern fĂŒr das, was darunter liegt.
FĂŒr das Langsame. FĂŒr das Dauerhafte. FĂŒr das kulturell Sinnvolle.
Und ja â dafĂŒr braucht es Leute, die genau das können. đ